Macht

In allen Formen der Vergesellschaftung, auf allen Ebenen und in allen sozialen Beziehungen gibt es Macht. Max Weber definierte Macht als "jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung, den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen" (Weber 1972: 28). Von den vielen Machtdefinitionen in den Sozialwissenschaften war Michel Foucaults Machtanalyse in den entwicklungsbezogenen Arbeiten der letzten Jahre besonders einflussreich. Eine sorgfältige Machtanalyse muss sich nach Foucault Macht nicht als etwas vorstellen, das zentral gesteuert wird, das die einen haben und die anderen nicht, in der es (nur) Schuldige und Unschuldige gibt. Sie verfügt über keine globale Logik, die sich gesteuert von oben nach unten durchsetzt: "Man muss vielmehr eine aufsteigende Analyse der Macht machen, d.h. von den unendlich kleinen Mechanismen ausgehen, die ihre Geschichte, ihren Ablauf, ihre Technik haben und dann ergründen, wie diese Machtmechanismen von immer allgemeineren Machtmechanismen und von Formen globaler Herrschaft besetzt, kolonisiert, umgebogen, transformiert, verlagert, ausgedehnt usw. wurden und werden." (Foucault 1978: 83). Macht wird in Diskursen erworben und ausgeübt.
Kultur ist mit Macht, Wissen und gesellschaftlichen Partizipationschancen aufs engste verbunden. Die Wirkung von Kultur im Entwicklungskontext kann eigentlich nur in diesem Dreieck sinnvoll bestimmt werden. Eine armutsorientierte Entwicklungspolitik kann dabei helfen, Räume zu schaffen, in denen sich marginalisierte Gruppen besser artikulieren können. Andererseits wird Kultur als Karte ›im strategischen Spiel‹ handelnder Akteure um Definitions- und Gestaltungsmacht benutzt und zwar umso wahrscheinlicher, je größer der ihr zugestandene Spielraum ist. Hier besteht eine Gefahr für alle kulturalistisch argumentierenden Ansätze. Zentral für die Bestimmung der Rolle von Kultur im Entwicklungskontext ist deshalb die Sensibilisierung für das manchmal ganz offene, meist aber sehr subtile Zusammenspiel von Wissen, ökonomisch und politisch ausgeübter Macht, und daraus entstehenden bzw. verweigerten Partizipationsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Akteure. "Jede kultursensible Entwicklungszusammenarbeit ist zum Scheitern verurteilt, wenn sie Kultur nicht auch als Ausdruck (als Kampfschauplatz) von Machtverhältnissen interpretiert" (Faschingeder et al. 2003: 18). Dieser Umstand spricht für eine Stärkung rechtsorientierter Ansätze und rechtsbasierter institutioneller Rahmenbedingungen für das demokratische Aushandeln von Konflikten im öffentlichen Raum (vgl. Elwert 1996).
Machtfragen spielen bei vielen Begriffen im Glossar eine wichtige Rolle, so unter anderem bei Aushandlungsraum, Empowerment, Interkulturalität, Kultur als ideologische Kontrolle, Meistererzählung, Projektarena, Marginalisierung, Armut.

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Management, interkulturelles

Während die sozial- und kulturwissenschaftliche Debatte in der Renaissance des Kulturalismus die interessegeleiteten Konstruktionen vermeintlicher kultureller Identitäten sieht, gilt dies nicht für den Bereich der (wissenschaftlichen) Managementliteraturen zur interkulturellen Kommunikation und zum interkulturellen Management. Im Gegenteil hat sich dort ein Kulturalismus etabliert, der sich mit hohen Auflagen, einer Flut von Trainingsprogrammen und Workshops und einem erstaunlich hohen Organisationsgrad gegenüber jedweder Kritik behauptet. Ein markanter Unterschied zu aktuellen sozial-, kulturund geisteswissenschaftlichen Debatten zum Thema besteht in der strikt anwendungsbezogenen Ausrichtung der Ansätze.
In der Mehrzahl wird versucht, eine Kategorisierung und Operationalisierung kultureller Wertefelder und Identitäten im Sinne eines interkulturellen "tool-kit" vorzunehmen. Der interkulturell agierende Manager oder Projektexperte soll durch ein gezieltes Training für die essentiellen kulturellen Wertefelder seiner Partner sensibilisiert werden. Die Kenntnis dieser Wertefelder soll die Zusammenarbeit erleichtern bzw. eine interkulturelle Handlungskompetenz erst erschließen. In der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit haben, neben dem ›Klassiker‹ Edward T. Hall (1969, 1983; Hall/Hall 1983), vor allem das ›Kulturdimensionen-Modell‹ des niederländischen Sozialwissenschaftlers und Unternehmensberaters Geert Hofstede (1980, 1997) und das vom Regensburger Psychologen Alexander Thomas vorgelegte ›Kulturstandardkonzept‹ (1996, 1999) die Diskussion über die Zusammenhänge zwischen kultureller Identität und politischem und ökonomischem Handeln bestimmt (vgl. Hüsken 2004; vgl. auch Schlamelcher 2003).

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Marginalisierung

Marginalisierung ist ein Prozess, bei dem sozial schwächere Bevölkerungsschichten an den Rand (engl. margin) der Gesellschaft gedrängt werden und dadurch nicht mehr am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. (Wikipedia 2004; Internetquelle). In der EZ-Debatte betrifft dies insbesondere die Gruppe der indigenen Völker: Die Erfahrung von Unterdrückung, Marginalisierung bzw. Diskriminierung ist eines der für das politische Selbstverständnis indigener Völker konstitutiven Kriterien.

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Marketing

Versuche zahlreicher Unternehmen, Produkte oder auch Produktwerbung weltweit anzugleichen, sind in der Vergangenheit häufig daran gescheitert, dass kulturspezifische Gewohnheiten, Geschmäcker und Wahrnehmungsformen nicht hinreichend berücksichtigt worden sind. So sind heute selbst Weltmarken keine ›Welt‹marken im Sinne einer universalen Standardisierung mehr:
Eine Marlboro in Polen liegt bezogen auf den Teer- und Nikotingehalt erheblich über dem Niveau ihres US-amerikanischen Gegenstücks, ein Weichspülmittel wie Vernell enthält länderspezifisch unterschiedliche Geruchsstoffe, und der Nescafé in Italien ist beispielsweise wesentlich schärfer gebrannt als der in England. Auch der Musiksender MTV musste Abschied von einem einheitlichen Konzept nehmen und strahlt mittlerweile 28 regionalspezifische Sendungen aus.
Derartige Unterschiede bestehen vor allem deshalb, weil sich in den einzelnen Kulturen über Jahrhunderte hinweg sehr unterschiedliche Erfahrungs- und Wahrnehmungswelten herausgebildet haben, die noch heute in der einen Kultur als normal erscheinen lassen, was in einer anderen Kultur vollkommen unakzeptabel wäre (vgl. z. B. Fischermann 2000; Internetquelle).

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Master Narrative

Meistererzählung

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McDonaldisierung

George Ritzer überträgt Max Webers um 1900 aufgestellte Bürokratie-Theorie der fortschreitenden formalen Rationalisierung auf Veränderungen der westlichen Industriegesellschaft am Ende des 20. Jahrhunderts. Die Fast-Food-Kette McDonalds dient ihm dabei als Metapher für zunehmende Formalisierungs- und Gleichschaltungstendenzen innerhalb der Gesellschaft unter dem Deckmantel der Rationalisierung. In Anlehnung an Weber funktioniert diese "McDonaldisierung" entlang von vier Kriterien (vgl. Zülch 2004: 33 ff.): Ritzer steht diesen Standardisierungsprozessen äußerst kritisch gegenüber und sieht sie in allen Gesellschaftsbereichen am Wirken von der Fließbandarbeit über den standardisierten Pauschalurlaub bis zum Geldautomaten.

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McWorld-These

Die These wurde von Benjamin R. Barber aufgestellt. Barber identifiziert weltweit zwei soziokulturelle bzw. soziopolitische Hauptströmungen, die er mit Jihad und McWorld bezeichnet. Jihad beschreibt das Phänomen der Retribalisierung und Fragmentierung von Staaten entlang ethnischer Grenzen, worin Barber ein antidemokratisches, antimodernistisches Moment erkennt (vgl. Zülch 2004: 31). Ethnisierung; Tribalismus
Mit dem Begriff McWorld bezeichnet Barber den Aufbau eines homogenen, vor allem durch Handel, moderne Kommunikationstechnologie und ökologische Strategien verknüpftes globales Netzwerk. Es sei "das Produkt einer vom expansionistischen Kommerz hervorgetriebenen Massenkultur", deren Schablone amerikanisch sei. "Es geht um Kultur als Ware, um Accessoires als ideologische Versatzstücke" (Barber 1996: 22). Während für ihn die Kräfte des Jihad eher " die nahe Zukunft beherrschen", sind für ihn auf lange Sicht "die Kräfte von McWorld der Grund für das langsame (...) Vordringen der westlichen Zivilisation und könnten als solche unaufhaltsam sein" (Barber 1996: 25; cit. in Zülch 2004: 31).
In beiden Phänomenen sieht Barber eine Bedrohung für die freiheitliche Demokratie, worauf der Titel der deutschen Ausgabe seines Werkes programmatisch hinweist: "Coca-Cola und Heiliger Krieg. Wie Kapitalismus und Fundamentalismus Demokratie und Freiheit abschaffen" (vgl. Barber 1996).

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Mediation, interkulturelle

Mediation ist die Verhandlung zwischen Konfliktparteien im Beisein eines neutralen Dritten (Mediator), der den Prozess nach einem strukturierten Ablauf moderiert und nach Möglichkeit schlichtet. Ziel ist eine gütliche Einigung zwischen den Parteien. Verhandlungsgegenstand und Art der Konfliktlösung werden dabei durch die Parteien, nicht durch den Mediator bestimmt. Die Wurzeln der Mediation liegen in der in den USA in den 1960er Jahren entstandenen "Alternative Dispute Resolution", einem diskursiven Verfahren zur Streitbehandlung.
Zwar wird die Mediation für interkulturell bedingte Konflikte aufgrund ihrer strukturellen Offenheit und der weit reichenden Autonomie der beteiligten Personen als besonders geeignet empfunden, und eine Welle neuer Publikationen zur Thematik deutet auf einen wachsenden Markt (vgl. z. B. Calließ 1999; Bolten 2001). Allerdings hält sie auch eine Vielzahl von Problemen und Fragestellungen bereit, die die Effektivität des Mediationsverfahrens in interkulturellen Situationen problematisch machen. Dabei geht es vor allem um die kulturelle Verwurzelung des derzeitig kursierenden Mediationsbegriffes in europäisch-westlichen Kontexten und damit die Übertragbarkeit westlicher Konfliktschlichtungskonzepte (vgl. Busch 2004), aber auch um divergierende Sprachhandlungsmuster, kulturbedingte Kontextualisierung und insbesondere die Fehlinterpretationen bei der situativen Aushandlung der interpersonalen Beziehungen der Kontaktpersonen (Busch 2004: 46).

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Meistererzählung

Der aus der Literaturkritik entlehnte Begriff der Meistererzählung (engl. master narrative) bezeichnet in den historischen Wissenschaften die großen, kohärenten und in der Regel auf den Nationalstaat ausgerichteten Geschichtsdarstellungen, deren Einfluss nicht nur innerfachlich schulbildend wirkt, sondern öffentliche Dominanz erlangt (vgl. Jarausch/Sabrow 2002). Der Begriff wurde in der Zwischenzeit für viele auch gesellschaftspolitische Bereiche übernommen.
Die Funktion der Meistererzählung besteht nach Rüsen (1998: 23) darin, eine Kultur für identifikatorische Zwecke der Vergangenheit zu vergewissern. Meistererzählungen bestimmen den Mainstream öffentlicher Debatten, dem sich die Beteiligten entweder unterordnen (wie z. B. die ostdeutschen Historiker in das marxistischleninistische Meistererzählungs-Korsett) oder von dem sie sich bewusst absetzen. Ist eine Meistererzählung erst einmal in Umlauf und gesellschaftlich wie kulturell legitimiert, ist es äußerst schwierig, den Beteiligten ihren Erfindungs- oder Konstruktionscharakter noch bewusst zu machen. (Vgl. auch den Begriff der ›Invented Tradition‹ von Ranger & Hobsbawm; Nation)
Im Westen haben Begriffe wie Fortschritt und ›Evolution‹ oder die Idee des ›Individuums‹ den Entwicklungs- wie den Menschenrechtsdiskurs als Meistererzählungen maßgeblich beeinflusst. Mit zunehmend ortsungebundenen ethnischen und kulturellen Prozessen verlieren die großen Meistererzählungen ihr Deutungsmonopol (vgl. Appadurai 1998: 19).

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Medien

Medium heißt übersetzt Mittler und bezeichnet in der Regel ein Kommunikationsmittel. Unter den Massenmedien werden nach Maletzke die Medien verstanden, die sich einseitig an ein disperses, unspezifisches Publikum richten. Der Einfluss der Massenmedien auf das Publikum wurde schon früh kritisiert. Theodor Adorno prägte den Begriff der Kulturindustrie, die als Mittel von Herrschaft und Integration wirke. Um Abnehmer zu finden, passe sich die Ware ›Kultur‹ ganz an die Konsumenten an und verliere dabei ihre kritische Funktion in der Gesellschaft. Die Vorstellung vom linearen Medienwirkungsmodell ist lange durch Modelle ersetzt worden, die Rückkopplung, Meinungsführerschaft und die Faktoren der, durch kulturelle und politische Rahmenbedingungen als Filter wirksamen, so genannten "Medienwirkungsmauer" (Kunkel 1998) mit einbeziehen.
Auf globaler Ebene spielen die Massenmedien eine besondere Rolle unter den kulturellen Vermittlungsformen. Auch wenn oft einheimische Medien(produkte) bevorzugt werden, beherrscht der Westen einen Großteil der Massenmedien in den Entwicklungsländern. Von der Bedrohung kultureller Nivellierung ist jedoch nicht auszugehen: Auch wenn weltweit Dallas gesehen wird, sind die Interpretationen der Serie doch sehr unterschiedlich. Die Frage einer westlichen Medienhegemonie wird nicht nur von Entwicklungsländern thematisiert, sondern spielt auch bei der Frage der Schutzwürdigkeit der europäischen Kulturindustrie vor der "amerikanischen Medienhegemonie" eine Rolle.
Der von der BRD unterzeichnete "Aktionsplan Kulturpolitik für Entwicklung" der UNESCO Konferenz 1998 in Stockholm (Mondiacult) beeinflusste auch die Politik der nationalen und internationalen Entwicklungshilfegeber. Eines der fünf Politikziele ist der "Förderung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt innerhalb und für die Informationsgesellschaft" gewidmet (besonders dem Aufbau von multimedialen Kommunikationssystemen und der Einrichtung moderner Informationstechnologien wie Radio, TV, PC-Ausrüstung und -ausbildung). Verschieden bilaterale Agenturen haben in diesem Bereich inzwischen einen Förderungsschwerpunkt (z. B. die schwedische SIDA mit einer eigenen Abteilung ("Cultural and Media Division") oder die Schweiz (DEZA).

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Menschenrechte

Prägend ist hier der Streit zwischen den Vertretern eines Universalismus und eines Kulturrelativismus. Der Westen klagt die unveräußerlichen Rechte und die bürgerlichen Freiheiten des Individuums ein, der Süden und asiatische (Tiger-)Staaten wiesen in den letzten Jahren auf die historische Gebundenheit eines westlich geprägten Menschenrechtsbegriffes hin, und betonten die Pflichten des Individuums gegenüber der Gemeinschaft. Die sozialistischen Staaten akzeptierten in ihrer Mehrheit nie die sog. natürlichen politischen Rechte (die erste Generation der individuellen Menschenrechte), obwohl sie die UN-Dokumente unterzeichnet hatten. Die USA und andere westliche Staaten unterzeichneten zwar, aber ratifizierten ihrerseits nie die gesetzlichen Instrumente zur Umsetzung der sozialen, ökonomischen und kulturellen Rechte (zweite und dritte Generation der allgemeinen Menschenrechte).
Damit ist bis heute der Anspruch der Unteilbarkeit aller Menschenrechte, wie er in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und zuletzt im Artikel 5 der Wiener Erklärung von 1993 festgehalten ist, nicht eingelöst (vgl. Messer 1993: 222). Wegen der Schwierigkeit der Durchsetzung der Menschenrechtskonventionen in der Praxis plädierte Nuscheler für eine Bescheidung auf weltweit konsensfähige Minimalstandards und eine ›relative Universalität‹ als Rettungsanker, solange es keine politische Weltethos gibt (1995: 204).
Die Beachtung der allgemeinen Menschenrechte ist eines der fünf Vergabekriterien deutscher EZ (Konditionalisierung der EZ). Aus einer Handlungsperspektive (Ethik) verständlich, wird mit dieser normativen Haltung jedoch eine kulturelle Perspektive auf die Menschenrechte schwierig.
Eine kulturelle Forschungsperspektive auf Menschenrechte fragt zum Beispiel, wie Recht und Gerechtigkeit kulturell definiert bzw. wie menschliche Würde, voller sozialer Erwachsenenstatus und Mitgliedschaft in einer Gesellschaft erreicht werden. Sie untersucht auch die Mechanismen für die Aufrechterhaltung gewaltsamer Bräuche (z. B. Klitorisbeschneidung, Kindstötung). Sie fragt nach der historischen Tiefe oder kulturellen Bedeutung eines Brauches, bzw. wer aus der Aufrechterhaltung von diskriminierenden kulturellen Praktiken Nutzen zieht. So dienen manche Praktiken bestimmten privilegierten Kategorien von Individuen (z. B. Männern mit Macht) oder sind rezente Artefakte, durch die sich eine männerdominierte Gesellschaft an knappe Ressourcen anpasst (vgl. Messer 1993: 233 und Schönhuth 1998). Rechte, kulturelle; Rechtspluralismus; Rechte, intellektuelle

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Mentalität

Mentalität bezeichnet die auf der Grundlage bestimmter gesellschaftlicher Verhältnisse entstehenden Einstellungen, die sich zu habituell geprägten Denk-, Urteils- und Handlungsstrukturen verdichten (Habitus).
Der Begriff wird wissenschaftlich kaum mehr, dafür umgangssprachlich umso häufiger benutzt (in Deutschland z. B. vor allem für die Beschreibung der Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen nach der Wende). Begriffshistorisch steht Mentalität in Verbindung mit der Entstehung moderner Nationalstaaten, und der damit verbundenen Thematisierung kollektiver Identitäten bzw. Mentalitäten von "Völkern" oder "Nationen". In diesem Zusammenhang wurde der Begriff auch schon früh politisch instrumentalisiert und für die Begründung völkisch begründeter Mentalitätsunterschiede missbraucht (Volk; Invented Tradition).
Während der häufig synonym verwendete Begriff der "kollektiven Identität" eher die objektivierbare Seite hervorhebt, hebt Mentalität mehr auf die "Tiefenschichten " des Bewusstseins und damit auf die tiefer verankerten und weniger leicht veränderlichen Denkmuster ab (Vester 1996: 10 f.).
In Deutschland wird heute im Gegensatz zur Völkerpsychologie der 1920er Jahre oder der Kultur-und-Persönlichkeits-Schule der 1930er Jahre nur noch in wenigen Bereichen eigentliche "Mentalitätsforschung" betrieben; v. a. in der Literaturwissenschaft und der soziologischen Landeskundeforschung. (Nationalcharakter)
Das weit verbreitete Kulturdimensionen-Modell von Geert Hofstede verwendet den Begriff der "mentalen Programme" für seine Kulturdefinition und hat dem Begriff damit zu einer Renaissance verholfen. Auch Vertreter der interkulturellen Austauschforschung nehmen ihn teilweise unkritisch wieder auf (vgl. z. B. Vester 1996 und die Reihe "Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Analyse interkultureller Beziehungen). Vereinzelt wird der Begriff auch in der modernen Milieuforschung und in Deutschlandstudien benutzt (Gebhardt/Kamphausen 1994; vgl. auch: Internetquelle). Dabei gibt es auch Bezüge zum Habituskonzept von Pierre Bourdieu (vgl. Bourdieu 1983).

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Mentalitätsgeschichte

Mentalitätsgeschichte ist der Versuch von Historikern, die Mentalitäten, d. h. die Einstellungen, Gedanken und Gefühle der Menschen einer Epoche darzustellen. Sie ist eine Arbeitsrichtung der Geschichtswissenschaft, die als Gegenentwurf zur etablierten Geschichtsforschung Mentalitäten v. a. von historisch nicht hervorgetretenen Gruppen und Schichten untersucht. Mentalitätsgeschichte muss aus den Quellen entdeckt werden, die über das Alltagsleben und die Lebenspraxis Auskunft geben (Arbeitsfelder sind z. B. die Kultur der Bauern oder die kollektiven Sinnhorizonte der entstehenden Arbeiterschaft). Mentalität wird dabei aufgefasst als "kollektiv geteilte Weltsicht und Lebensanschauungen von eigener, nicht mit sonstigen historischen Periodisierungen deckungsgleicher Dauer".
Die Mentalitätsgeschichte entstand im Zusammenhang mit der französischen Annales Schule. In Deutschland hat die Mentalitätsgeschichte keine große Tradition, an den Universitäten hat sie keinen wichtigen Vertreter. (Vgl. Bohler 2004).

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Migration

Diaspora; Hybridität; Transkulturalität; translokale soziale Praxis

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Milieu, soziales

Der Begriff Soziales Milieu ("milieu social") stammt vom französischen Soziologen Emile Durkheim und beschreibt die soziale Umgebung, in der ein Individuum aufwächst und lebt. Durkheim unterscheidet zwischen innerem und äußerem sozialen Milieu. Der Milieubegriff weist Verbindungen zu der durch die französische Revolution weiterentwickelten Milieutheorie auf, die davon ausgeht, dass der Mensch weitgehend von der Umwelt, von den äußeren Umständen abhängig ist.
"In der Lebensstil- und Ungleichheitsforschung wurde in den 80er Jahren der Milieubegriff spezifiziert und eine Unterscheidung zwischen sozialer Lage, Lebenszielen und Lebensstilen getroffen, die Handlungsmuster zur Erreichung von Lebenszielen beschreiben. Der Milieu-Begriff geht davon aus, dass der Lebensstil von Menschen nicht nur aufgrund äußerer Umstände, sondern auch von inneren Werthaltungen geprägt wird. Der Begriff soziales Milieu bezieht sich damit auf Gruppen von Individuen mit ähnlichen Lebenszielen und Lebensstilen und umfasst Mentalität und Gesinnung der Personen. Durch die zunehmende Pluralisierung der Gesellschaften und die Individualisierung der Lebensstile wird die vormals enge Verknüpfung zwischen sozialer Lage und Milieus entkoppelt, auch wenn soziale Milieus weiterhin nach Status und Einkommen hierarchisch eingeordnet werden können" (Wikipedia 2004: Soziales Milieu; Internetquelle).
Die auf die Erfassung der Lebenswelt gerichteten so genannten Sinus-Milieustudien, in denen – vor allem für die Werbewirtschaft – seit Jahren soziokulturelle Milieus auf einer Matrix in Bezug auf "soziale Lage/Schichtzugehörigkeit" und "Werteorientierung" abgebildet werden, zeigen sowohl gravierende Veränderungen im Längsschnitt (z. B. nach der Wende Ausbildung eines "DDR-nostalgischen" Milieus) als auch nationale Spezifika (z. B. im Vergleich zwischen Deutschland und Österreich).

Sinus Sociovision: Die Sinus-Milieus (Internetquelle)
Ein weiteres Institut, das im Sinne der Milieu- und Prognoseforschung mit "soziokulturellen Schlüsseltrends" arbeitet, ist das "Zukunftsinstitut" von Matthias Horx (vgl. Horx/Horx 2004).
›Soziokulturelles Milieu‹ wird oft im Sinne von soziokulturellem Kontext bzw. soziokulturellen Bedingungen gebraucht. Diese Bedingungen gründen sich auf Erfahrungen der Gruppe, auf Werte, Traditionen, wie auch auf ihre Heterogenität und die in der Gruppe herrschenden verschiedenen Vorstellungen und Interessen. So kann das soziokulturelle Milieu einer Gruppe innovationsfreudig sein, wenn etwa Kreativität als Wert angesehen wird. Diesen Ansatz vertritt z. B. Weiss (2001). Nationalcharakter

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Millenniums-Entwicklungsziele

Holtz definiert: "In der Millenniums-Erklärung der Vereinten Nationen vom 8. September 2000 bekennen sich alle 189 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zu einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft und zu konkreten Millenniums-Entwicklungszielen. So haben sie sich zu dem Ziel verpflichtet, bis 2015 den Anteil der Weltbevölkerung, dessen Einkommen weniger als 1 Dollar pro Tag beträgt (ca. 1,2 Mrd. Menschen), und den Anteil der Menschen, die Hunger leiden (über 800 Mio. Menschen), zu halbieren. Die sechs anderen Millennium-Entwicklungsziele beziehen sich auf die Verwirklichung der allgemeinen Primarschulbildung, die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frau, die Senkung der Kindersterblichkeit, die Verbesserung der Gesundheit von Müttern, die Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten sowie auf die Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit. Schließlich wird eine globale Partnerschaft für Entwicklung gefordert (von einem offenen Handelssystem über Schuldenabbau bis zu einer höheren ODA). Als Beitrag zur weltweiten Halbierung extremer Armut beschloss die deutsche Bundesregierung am 4. April 2001 das ›Aktionsprogramm 2015‹" (Holtz 2006; und Internetquelle).
In den Millenniums-Entwicklungszielen spielt Kultur nur eine untergeordnete Rolle. Es ist deshalb eine strategische Überlegung innerhalb des BMZ, Kultur als Funktion von Gender und Armutsbekämpfung (Poverty Reduction Strategies) oder Partizipation der Zivilgesellschaft in die Diskussion mit Entscheidungsträgern einzubringen.

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Minderheit

Eine Minderheit ist der Mehrheit zahlenmäßig unterlegen und unterscheidet sich von dieser in einem oder mehreren Merkmalen. "Als solche Merkmale können Religion, Muttersprache, Abstammung, sexuelle Orientierung und ethnische Selbstorganisation gelten" (Elwert 1999d: 254).
Eine nationale Minderheit bezeichnet eine Ethnie, die innerhalb eines Staatsgebietes lebt, in dem eine andere Ethnie die Mehrheit ausmacht. Häufig werden Minderheiten stigmatisiert, in diesem Prozess werden ihnen Eigenschaften zugeschrieben, "die eher etwas über die Probleme der Selbstwertzuschreibung ... der Mehrheit als über die Minderheit aussagen" (Elwert 1999d: 255).
In den knapp 200 Ländern dieser Erde leben rund 5000 verschiedene ethnische Gruppen. In 2/3 dieser Länder gibt es eine oder mehrere Minderheiten die mindestens 10% der Bevölkerung ausmacht (vgl. UNDP 2004: 2). Der Datensatz "Gefährdete Minderheiten" der UNDP schätzt, "dass beinahe eine halbe Milliarde Menschen - also fast jeder siebte Mensch - Gruppen angehören die entweder einer Ausgrenzung in Bezug auf die Lebensweise oder in Bezug auf Beteiligungsmöglichkeiten ausgesetzt sind, von der andere Gruppen im selben Staat nicht betroffen sind" (UNDP 2004: 8). Zwar existiert in der Regel ein Zusammenhang zwischen der Ausgrenzung in Bezug auf die Lebensweise und dem Ausschluss von gesellschaftlichen Beteiligungsmöglichkeiten, aber die Auslandschinesen in Südostasien sind z.B. wirtschaftlich dominierend, "wurden und werden jedoch in kultureller Hinsicht ausgeschlossen" (UNDP 2004: 9).

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Minderheit, ethnische

Eine kulturell abgrenzbare Gruppe (oder auch Kategorie) in einem Nationalstaat, die (unabhängig von ihrer Größe) strukturell untergeordnet ist und zumeist aus Migranten oder Flüchtlingen besteht, im Gegensatz zu schon lange in einem Gebiet lebenden Gruppen. Völker, indigene

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Minimalgruppenparadigma

Bloße Gruppenzugehörigkeit führt bereits zu Bevorzugung (›Favorisierung‹) der eigenen Gruppe – dies stellte Henry Tajfel 1971 fest. Nach dieser Theorie über Intergruppenverhalten versuchen sich Mitglieder einer Gruppe gegenüber Außengruppen abzugrenzen, auch wenn dafür persönlich keine Vorteile zu erwarten waren.
Tajfels Experimente waren so angelegt, dass ein Gruppenmitglied seine Gruppe weder kannte, noch die Gruppenbildung in irgendeiner Weise nachvollziehen konnte. Nun sollte das Gruppenmitglied Punkte für die eigene Gruppe und die Fremdgruppe verteilen, ohne dass es selbst einen Vorteil davon haben würde. Für die Verteilung der Punkte nach Matrizen gab es verschiedene Prinzipien, so z. B. Gleichheit, maximaler Gewinn für die eigene Gruppe, maximale Differenz zwischen beiden Gruppen etc. Tatsächlich waren die Verteiler darauf bedacht, möglichst viel Gewinn für die (unbekannte) Eigengruppe, noch mehr aber möglichst viel Schaden für die Fremdgruppe zu erzielen. Dies zeigt die Minimalbedingung für Ethnozentrismus: die bloße Bezeichnung von Gruppen.

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Missverständnisse, interkulturelle

Nach IKO (2004) resultieren viele interkulturelle Missverständnisse und Probleme daraus, "... dass man sich der Kulturgebundenheit der eigenen und der spezifischen Wahrnehmungsweise seines fremdkulturellen Partners nicht hinreichend bewusst ist: Es werden Dinge und Sachverhalte als unhinterfragt ›normal‹ angesehen, die für die Wahrnehmungsgewohnheiten des anderen keineswegs plausibel sind. Wird dieser Plausibilitätsmangel nicht thematisiert oder wird der Sachverhalt solange ›uminterpretiert‹, bis er aus der eigenen Sichtweise heraus plausibel erscheint, bauen alle weiteren Interaktionen zwischen den Beteiligten auf der trügerischen Annahme auf, man hätte z. B. eine gemeinsame Argumentationsbasis. Faktisch argumentiert man jedoch auf ganz unterschiedlichen Ebenen (ohne es zunächst zu merken). Wenn das gegenseitige Missverstehen dann offenkundig wird, ist die eigentliche Ursache meistens gar nicht mehr bekannt, womit es dann umso schwieriger wird, eine neutrale Beziehungsebene zurückzuerlangen" (Interkulturelle Kommunikation Online 2004).

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Modernisierung

In den Augen der Modernisierungstheoretiker ist Modernisierung ein revolutionärer Prozess, der radikale und tief greifende Änderungen in Entwicklungsgesellschaften mit sich bringt; ein komplexer Prozess, der Industrialisierung, Verstädterung, soziale Mobilität, Differenzierungsprozesse, Säkularisierung, Medienausbreitung, politische Partizipation umfasst, und mit wachsender Alphabetisierung und Bildung einhergeht; ein systemischer Prozess, in dem wirtschaftliche Entwicklung, Kulturwandel und politischer Wandel nach kohärenten und teils vorhersehbaren Mustern miteinander zusammenwirken. Rückständigkeit wird zwar überwiegend auf endogene Faktoren zurückgeführt, diese werden jedoch nicht weiter analysiert. Kultur (im Sinne überkommener Tradition) gilt unhinterfragt als Hemmschuh für Entwicklung.
Modernisierung kann aber auch wie Fortschritt oder Entwicklung als eine der großen Meistererzählungen gelesen werden, mit denen der Westen sein Deutungsmonopol legitimiert und aufrechterhält.

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Mondiacult

Unter anderem in Folge des Iranschocks 1979 beschäftigte sich die Weltkonferenz über Kulturpolitik ›Mondiacult‹ in Mexico City 1982 explizit mit den soziokulturellen Aspekten von Entwicklung. Dort wurde auch die im Kern bis heute gültige und von vielen großen EZ-Organisationen unverändert übernommene Definition von Kultur geprägt. Sie sagt aus, "dass die Kultur in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden kann, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertesysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen" ("Culture ... is ... the whole complex of distinctive spiritual, material, intellectual and emotional features that characterize a society or social group. It includes not only arts and letters, but also modes of life, the fundamental rights of the human being, value systems, traditions and beliefs").
Diese Definition stimmt auch mit den Beschlüssen der Weltkommission über Kultur und Entwicklung ("Unsere kreative Vielfalt", 1995) und der Zwischenstaatlichen Konferenz über Kulturpolitik zur Entwicklung (Stockholm 1998) überein. Aus dem Ziel der Integration kultureller Faktoren entstand die Idee zu einer "Weltdekade für kulturelle Entwicklung" (World Decade for Cultural Development 1988–1997).
Ein zwiespältiges Erbe der Meinungsführerschaft der UNESCO sind die in ihren Definitionen enthaltenen universalistischen Prinzipien ihrer Gründer auf der einen, und die den praktischen Realitäten folgenden relativistischen Erfordernisse eines "Clubs von Mitgliedern aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen" (Rao/Walton 2004) auf der anderen Seite. So stehen eigentlich miteinander unvereinbare Erklärungen zu universalen Prinzipien und Rechten neben solchen, die den Respekt für die Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Kulturen einfordern.
Die Weltkonferenz "Kulturpolitik für Entwicklung" im April 1998 in Stockholm umreißt fünf Politikziele: Kulturpolitik als Schlüsselkomponente von Entwicklungsstrategien; die Förderung von Kreativität und Teilhabe am kulturellen Leben; Einleitung von Politiken und Verfahren zur Sicherung und Verstärkung des kulturellen Erbes und die Förderung der Kulturindustrie (auswärtige Kulturpolitik; Ausbildung von Fachkräften, sanfter Kulturtourismus). In ihrer Resolution zum Jahr 2001 vom 4. November 1998 fordert die Generalversammlung die Vereinten Nationen Regierungen, internationale und nichtstaatliche Organisationen auf, "geeignete kulturelle, pädagogische und soziale Programme zu planen und durchzuführen, um das Konzept des Dialogs zwischen den Kulturen zu fördern". Die Generalversammlung hat das Jahresmotto "Dialog zwischen den Kulturen" (United Nations Year of Dialogue among Civilizations) auch als Gegenbegriff zum viel beschworenen Begriff Clash of Civilizations (Kampf der Kulturen) des amerikanischen Politikwissenschaftlers Samuel Huntington gewählt.

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Multikulturalität

Während sich Interkulturalität auf den Prozess und die Dynamik des Zusammenlebens bezieht, wird mit Multikulturalität in erster Linie eine soziale Organisationsstruktur bezeichnet. Nach dem Grad der Interaktivität lassen sich laut IKO (2004) drei Varianten von Multikulturalität unterscheiden: Kritisiert wird am Multikulturalismusmodell, dass es eigentlich nur die pluralistische Form eines geschlossenen Homogenitätsmodells darstellt. Es wird zwar von einem möglichen Nebeneinander verschiedenartiger Kulturen in einem Nationalstaat ausgegangen; die Sinngrenzen werden aber immer noch mit den Grenzen distinkter Personengruppen identifiziert (vgl. Reckwitz 2001: 183; vgl. auch Welsch 2002; Internetquelle). So ließen sich auch Apartheidsvorstellungen mit einem Multikulturalitätsansatz begründen. Eine Alternative zu diesem Ansatz ist das Konzept der Transkulturalität von Wolfgang Welsch.

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Multikulturelle Gesellschaft

Eine multikulturelle Gesellschaft besteht aus Menschen verschiedener Kulturen (Herkunft, Nationalitäten, Sprachen, Religionen, Ethnien). Assimilation wird dabei weder angestrebt noch verhindert, das Selbstbestimmungsrecht jeder Kultur nicht angetastet. "Dabei beruht die multikulturelle Gesellschaft auf dem gegenseitigen Verstehen der beteiligten Menschen. Idealerweise sollte weder eine Gruppe dominieren, noch irgendeine Gruppe ausgeschlossen sein, was naturgemäß nur schwer realisierbar ist. Fast jeder europäische Staat und auch fast jedes Land der Erde sind wenigstens zum Teil "multikulturell", zumindest sind sie es im Laufe ihrer Geschichte einmal gewesen." (Wikipedia 2004; Internetquelle). Multikulturalität

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Multisited Ethnography

Da Ethnien oft in verstreuten Territorien leben oder sogar nur Netzwerke bilden, rücken Kulturforscher zunehmend davon ab, Gruppen oder Teilgruppen als ausschließliche Forschungseinheiten zu nehmen. Jetzt erforscht man vermehrt interethnische Systeme, multiethnische Netze, globale Verknüpfungen oder soziale Bewegungen, die über einzelne Gruppen hinwegreichen. In der Feldforschung werden deshalb Menschen und Probleme an mehreren Orten ("multisited") gleichzeitig empirisch verfolgt und untersucht. Der Begriff wurde von dem amerikanischen Anthropologen George Marcus geprägt (vgl. Marcus 1995).

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Mythos

Mythos bezieht sich auf die sich von der wissenschaftlich-logischen Erklärung unterscheidende eher symbolisch-erzählende Form der Erschließung von Wirklichkeit. Der Mythos erzählt für die Beteiligten "wahre" Geschichten, die sich auf Vergangenes beziehen und damit Gegenwärtiges begründen. Der Mythos kollektiver, gemeinschaftsbildender historischer Erfahrungen spielt bei der Herausbildung kollektiver Identität im Allgemeinen und nationaler Identität im Besonderen eine wesentliche Rolle (Nation). Durch das Erfinden gemeinsamer Traditionen werden historische Ereignisse zu politischen Mythen und Ritualen umgedeutet, neu ausgelegt und damit Herrschaft oder Herrschaftsansprüche legitimiert (Hobsbawm/Ranger 1983; Hobsbawm 1991) und die Frage der Zugehörigkeit (Inklusion und Exklusion) begründet. Auch die großen Meistererzählungen, die den Diskurs ganzer Gesellschaften prägen, bauen auf solchen Mythen auf.
Mythen sind "eine Form der Tradierung von Vorstellungen und Werten, die viel über das Selbstverständnis einer Gemeinschaft (Nation) aussagt, dagegen weniger über die empirische Nachprüfbarkeit durch wissenschaftliche Methodik" (Willikiewicz 2000: 59 cit. in Rösch 2004: 57). Rösch zeigte kürzlich am Beispiel des polnischen Nationalmythos, welche sinnstiftenden, integrativen und in der Konsequenz positive Funktionen solche Selbstvorstellungen und Selbstdarstellungen im Rahmen nationaler Identitätsbildung gerade im Prozess der Europäisierung haben können (Rösch 2004).
Auch in der Entwicklungszusammenarbeit wird über Entwicklungsmythen gestritten. So wurde 2004 vom Sprecher der Nord-Südgruppe der Grünen in Deutschland selbst das Leitbild der Armutsbekämpfung des Ministeriums als Entwicklung blockierender "Mythos" in Frage gestellt (vgl. Peltzer 2004; Internetquelle).

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Begriffe: M

Macht
Management, interkulturelles
Marginalisierung
Marketing
Master Narrative
McDonaldisierung
McWorld-These
Mediation, interkulturelle
Meistererzählung
Medien
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