Identität

Von lateinisch idem = dasselbe. Auf sozialer Ebene wird darunter das dauernde "Sich-selbst-als-gleich-erleben" von Individuen verstanden. Im Wesentlichen wird dies durch die Übernahme sozialer Rollen und Gruppenmitgliedschaften bzw. durch die Anerkennung dieser Rollen von außen geleistet (am stärksten in der Adoleszenzphase).
Identität, die von außen zugewiesen wird, so Laatsch (2002), orientiert sich an festgelegten gesellschaftlichen Rollen. Diese basieren auf äußeren Merkmalen der Person, auf dem Verhalten in der Öffentlichkeit und auf sozialen Klischees. So führen z. B. Merkmale wie die Hautfarbe, angepasstes oder unangepasstes öffentliches Verhalten (Habitus) oder durch Äußerlichkeiten vorgenommene Zuordnung zu gewissen Gruppen ("Penner", "Punk" ...) oder Milieus relativ schnell zu positiven oder negativen Zuschreibungen (vgl. Laatsch 2002; Internetquelle).
Im Prozess der Selbstfindung, also der Identitätsbildung von innen, werden sowohl durch eigene Interessen und Bedürfnisse als auch über Abgrenzung oder Aneignung eigene Vorstellungen vom Selbst entwickelt. Auch die Abgrenzung z. B. von der Lebensweise der eigenen Eltern (Ablehnung der Ehe als Institution) oder die Aneignung z. B. subkultureller Verhaltensmuster (Punk zu werden, weil ein Freund dies ist; bestimmte Kleidung zu tragen, weil diese mit linker Kultur verbunden wird) trägt zur Bildung einer eigenen Identität bei. Alles in allem ist Identitätsbildung nichts Starres, Abgeschlossenes, sondern ist als ständiger Prozess zu begreifen, in dem der Druck aus dem sozialen Umfeld mal stärker, mal schwächer auf die eigene Identitätsbildung wirkt und dadurch je nach Situation einzelne Teile der Identität betont werden (weitgehend nach Laatsch 2002; Internetquelle). Identity Switching; Identität (hybride; kollektive; kulturelle)

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Identität, hybride

Hybridität

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Identität, kollektive

Kollektive Identität ist nicht die essentielle Eigenschaft einer Kulturgemeinschaft, sondern resultiert aus den Eigenarten einer Kommunikationsbeziehung (Rösch 2004: 59). Sie ist angewiesen auf die "Selbsterfahrung kollektiver Akteure im gemeinsamen Handeln" (Giesen 1999: 119). "Erst wenn sich Einzelne zusammenschließen und im Vollzug ihres Handelns die individuellen Unterschiede vergessen oder zurückstellen, existieren sie als ein kollektiver Akteur" (Fauser 2003: 137). In seiner Essentialisierungstendenz ist der Begriff damit äußerst problematisch.
Triebel schlägt vor, besser von "gruppenkonstituierenden Identifikationsprozessen" zu sprechen (2004: 77). Im Rahmen der gesamten Debatte um die Kontingenz von Kultur (Kultur als Fluxus), Kreolisierungsprozesse und die Zugehörigkeit von Individuen zu verschiedenen Kulturfeldern, spricht viel dafür, den Begriff der kollektiven Identität oder auch festgeprägter Mentalität zumindest im Singular aufzugeben.
Kollektive Identifikationsprozesse differenzieren sich sowohl auf transnationaler Ebene (z. B. katholische Christen; Islam als transnationale Identität, Diaspora- Migranten) als auch unterhalb der nationalen Ebene in der Zuschreibung (Affiliation) zu Regionen, Milieus und der Beheimatung in neuen lokalen Kontexten (Heimat, Diaspora).

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Identität, kulturelle

Identität meint individuell das Selbstverständnis als kohärentes Wesen mit bestimmten Eigenschaften und einer Geschichte; bezogen auf eine Kultur das gemeinsame Selbstverständnis ihrer Angehörigen.
Diese Position wird jedoch auch kritisiert: Für die modernen Praxistheorien (Bourdieu 1979; Goffman 1983) sind Subjekte in allen ihren Merkmalen Produkte historisch und kulturell spezifischer Praktiken, und sie existieren nur innerhalb des Vollzugs sozialer Praktiken. Das Subjekt besitzt keinen ›authentischen Kern‹, geschweige denn eine angeborene kulturelle Disposition – es ist vielmehr ein "Kreuzungspunkt unterschiedlicher Verhaltens/Wissenskomplexe sozialer Praktiken, ein mehr oder minder loses Bündel von praktischen Wissensformen" (Reckwitz 2001: 296). Vgl. auch Habitus; Hybridität; Kapital (kulturelles); Gruppe (kulturelle); Ethnizität

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Identitätspolitik

Bemühungen, die Wahrnehmung einer kulturellen Kategorie oder Gruppe bei ihren Mitgliedern zu beeinflussen oder die Wahrnehmung seitens anderer zu steuern. Meist geht es dabei um Ansprüche oder Interessen, die als homogen wahrgenommene Gruppe innerhalb nationalstaatlicher Verteilungskonflikte leichter durchzusetzen sind. Identitätspolitik bedeutet immer eine bewusst gesetzte Grenzziehung zwischen dem Eigenen (die dazu gehören) und dem Anderen (die ausgeschlossen sind). Ein wichtiges Element ist dabei die Essentialisierung, d. h. die Festschreibung des Anderen auf seine Andersartigkeit bzw. des Eigenen auf seine ursprüngliche Wesenheit (Essenz), wobei innere Differenzen nivelliert werden.
Ein gutes Beispiel für Identitätspolitik ist die Frauenbewegung: Um die Identität "Frau" in einer Umgebung zu stärken, die diese Identität systematisch unterdrückt und als "schwächer" kennzeichnet, schlossen sich Menschen zusammen, deren verbindendes Element das Frau-sein war. Dieses identitätsstiftende Element wurde betont und in der Öffentlichkeit als dem Element "Mann" gleichberechtigt propagiert. In diesem Prozess wurden andere Differenzen zugunsten der Identität Frau vernachlässigt. Der Vorteil der Essentialisierung liegt in der größeren politischen Durchsetzungskraft eigener Veränderungsziele. Der Nachteil liegt in der Abgrenzung der Gruppe nach außen und einem Vereinheitlichungszwang nach innen (vgl. Laatsch 2002; Internetquelle).
Der Ambivalenz der Unmöglichkeit und gleichzeitig Unverzichtbarkeit einer Identitäts-Politik, deren Konstruktionscharakter den Beteiligten selbst bewusst ist, stellt Gayatri Chakravorty Spivak den Entwurf des strategischen Essentialismus entgegen (vgl. Spivak 1996).
Ethnisierung; Essentialismus, strategischer; Kulturalisierung

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Identity Switching

Das Wechseln zwischen unterschiedlichen Teilidentitäten wird heute als selbstverständliche Option in der Ethnizitätsdebatte angesehen (für Individuen, aber auch für ganze Gruppen). Identitätswechsel ist besonders nahe liegend, wenn die eigene Gruppe gesellschaftlich diskriminiert ist und gleichzeitig durch den Wechsel berufliche Aufstiegschancen bestehen, bzw. der Wechsel von der dominanten Gruppe positiv sanktioniert wird.

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Indigene Völker

Völker, indigene

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Indigene Völker oder Indigene Menschen?

Die Frage, ob es ›indigenous peoples‹ (Völker) oder nur ›indigenous people‹ (Menschen) gibt, ist umstritten. "Aus diesem Grund heißt die zuständige UNO-Arbeitsgruppe bis heute ›Working Group on Indigenous Populations‹ und nicht ›Working Group on Indigenous Peoples‹. Ebenso heißt das von der UNO ausgerufene Jahrzehnt der Indigenen Völker offiziell ›Decade of the World’s Indigenous People‹ und ein neu eingerichtetes UN-Gremium in New York, das ursprünglich den Namen ›Permanent Forum on Indigenous Peoples‹ erhalten sollte, wurde letztendlich unter dem Namen ›Permanent Forum on Indigenous Issues‹ (Angelegenheiten) gegründet. Der ernsthafte Hintergrund dieses Streits ist, dass das Völkerrecht mit dem Begriff Volk weit reichende spezifische Rechte verbindet, zuallererst das Recht auf Selbstbestimmung, was die freie Verfügung über Land und Ressourcen einschließt.
Da indigene Völker häufig in den ressourcenreichen Regionen leben, fürchten zahlreiche Regierungen, im Falle einer Anerkennung dieses Rechts, die Kontrolle über diese Bodenschätze zu verlieren. Weiterhin besteht in Ländern, wo gewaltsame Konflikte zwischen Regierungen und indigenen Völkern stattfinden, mitunter die Befürchtung einer Sezession der letzteren. Historisch gibt es jedoch zahlreiche Beispiele dafür, dass Kolonialmächte indigene Völker als souveräne Rechtssubjekte anerkannt haben" (Wikipedia 2004: indigene Völker; Internetquelle).
Auch das BMZ verwendet die Begriffe Bevölkerung oder Bevölkerungsgruppen (BMZ 1999a). Die einzig völkerrechtlich verbindliche Konvention ist das "Übereinkommen 169 über eingeborene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern" ("Indigenous and Tribal Peoples Convention") der ILO von 1989 (vgl. ILO 1989; Internetquelle). Sie ist jedoch in Europa bisher nur von wenigen Staaten (z. B. Niederlande, Skandinavische Staaten), weltweit von gerade einem Dutzend Staaten ratifiziert. Daneben sind noch die UNCED Agenda 21 von Rio 1992 (insbes. Kapitel 26: Anerkennung und Stärkung der Rechte der indigenen Bevölkerungsgruppen) und der UN-Arbeitsgruppenentwurf der "Allgemeinen Erklärung der Rechte indigener Völker" von 1993 wichtige Dokumente.
Die Weltbank hat Ende der 1980er Direktiven zum Umgang mit indigenen Völkern in Weltbankprojekten ausgegeben (OD 4. 20 Indigenous Peoples). Zentrales Instrument ist der sog. "Indigenous Peoples Development Plan" (IPDP): "The Plan is designed in a culturally appropriate manner and is based on the full consideration of the options preferred by the indigenous people affected by the project." Elements of an IPDP include: an assessment of the legal framework; collection of baseline data; examination of land tenure; strategy for local participation; design of mitigation measures and activities; assessment of institutional capacity; an implementation schedule and a system for monitoring and evaluation" (World Bank 2006; Internetquelle).
Im Jahr 2001 wurden diese Direktiven angepasst. Indigene sollen nun mehr Mitspracherechte bei Planung, Durchführung, Monitoring und Evaluierung von Projekten und Programmen bekommen ("informed participation"; "sharing in the social and economic benefits of development projects": vgl. World Bank 2001; Internetquelle).

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Indigenes Wissen

Wissen, indigenes

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Informed Consent

›Informed consent‹ (informierte Zustimmung) ist die qualifizierte Zustimmung, die gegeben wurde, nachdem die Gegenseite einer Aufklärungspflicht nachgekommen ist.
In der EZ bezieht sich dies auf die Haltung, nach der die von Projekten betroffene Bevölkerung in einem frühen Stadium der Planung einbezogen werden soll, um so eine auf umfassender Information basierende Zustimmung zu erreichen, oder aber von Projekten abzusehen. Dies betrifft vor allem das Selbstbestimmungsrecht der indigenen Völker. In Fällen, wo z. B. transnationale Konzerne große industrielle Vorhaben (z. B. Bau von Großstaudämmen, Erdöl- oder Uranförderung, Atomtests, Entsorgung von Giftmüll) auf von indigenen Völkern genutzten oder bewohnten Territorien planen, fordern indigene Völker, dass dies nur nach einer "freien, vorherigen und informierten Zustimmung" geschehen darf (Free, Prior and Informed Consent; vgl. das neueste Dokument der UN-Menschenrechtskommission: UN 2004; Internetquelle).
In einigen Ländern ist die Forderung nach "Free, Prior and Informed Consent" bereits gesetzlich verwirklicht, so etwa in den Philippinen. Während die deutsche Bundesregierung diese Rechtsposition in letzter Zeit zu unterstützen scheint, versucht die Weltbank dem in ihren eher zahnlosen Instrumenten der "Safeguard" und "Do-no-harm-Politik" nachzukommen (Umwelt und Sozialleitlinien; nichtintendierte Folgen der humanitären EZ). Völker, indigene

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Informeller Sektor

Der informelle Sektor wird auch ›Schattenwirtschaft‹ oder ›Überlebensökonomie‹ genannt und bezeichnet außerhalb von Sozialsystemen und Besteuerung oder sonstiger staatlicher Regelung und Fördersystemen entwickelte wirtschaftliche Kleinstaktivitäten (›Schuhputzer‹). Von den einen werden unternehmerische Initiative und Kreativität hervorgehoben, von den anderen arbeitsintensive Produktion, einfache Technologie, geringe Qualifizierung, schlechte Bezahlung, keine soziale Sicherheit, geringer gewerkschaftlicher Organisationsgrad, erhebliche Auslieferung der staatlichen Willkür gegenüber und der Korruption (vgl. Internationale Politik, Frieden und Entwicklung (o. J.); Internetquelle).
"Der informelle Sektor unterscheidet sich durch einige Besonderheiten vom formellen Sektor: kaum oder keine Trennung der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital; Entzug staatlicher Kontrolle; kaum formalisierte Beschäftigungsverhältnisse; meist kleine Produktionseinheiten; niedrige Organisationsebene, Beschäftigung von Familienmitgliedern; fließender Übergang/Dominanz der Subsistenzwirtschaft; durch fehlende staatliche Regulierung greifen staatliche Standards (Mindestlohn, Sozialversicherung) oft nicht; keine eigene Rechtspersönlichkeit des Unternehmens; Eigentümer sind private Haushalte oder Privatpersonen" (Wikipedia 2004: Informelle Wirtschaft; Internetquelle).
In vielen Ländern absorbiert der informelle Sektor derzeit die Mehrheit aller neu auf den Arbeitsmarkt strömenden Menschen, weswegen er verstärkt in Entwicklungspolitiken berücksichtigt werden müsste.

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Institution (kulturelle)

Kulturell entsprechen Institutionen (i. S. von Praktiken) Konventionen, die durch standardisiertes und internalisiertes Verhalten von Mitgliedern einer bestimmten Gruppe zum Ausdruck kommen. Nach Hansen (1993) ersetzt Institution zum einen die innere, individuelle Motivation durch eine Außensteuerung (standardisierte Handlungen erfolgen nicht aus inneren Bedürfnissen und Motivationen heraus, sondern aufgrund einer Sollsuggestion, die von der Institution ausgeht). Die Institution stellt zum anderen eine Verbindung von Sinn und Gesinnung her (sie repräsentiert die Normalität, die nicht hinterfragt wird), und sie liefert Gesinnung gleich mit: den mitverpflichtenden Komplex von Ideen, Gefühlen, Affekten und Verhaltensbereitschaften, die zur jeweiligen Institution gehören; sie schafft Stabilität, Ordnung und Sicherheit und verhindert das Chaos (vgl. Hansen 1993: 95-114).
Wille merkt kritisch an, dass in diesem Ansatz von Hansen das Individuum als autonomes Wesen völlig in den Hintergrund tritt (Wille 2003; Internetquelle).

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Institutionenanalyse (Institutional Analysis)

Institutional Analysis (IA) ist ein Teil der Social Analysis der Weltbank. Sie fokussiert vor allem auf die Verträglichkeit (feasibility) und die Nachhaltigkeit (Sustainability) von vorgeschlagenen Entwicklungsinitiativen. Dabei wird vor allem analysiert, welchen Einfluss formelle und informelle, öffentliche und private, Profit- und Non-Profit-Organisationen auf den Projekterfolg haben und inwieweit benachteiligte Menschen von ihnen profitieren können. IA soll, nach den programmatischen Aussagen der Weltbank dazu, auch armen Menschen mehr Mitspracherecht garantieren und soziale Exklusion feststellen können – also Fälle, in denen die Spielregeln für unterschiedliche Akteure unterschiedlich aussehen (vgl. World Bank 2006; Internetquelle).
Institutionenanalyse wird auch als Beitrag zur Trägeranalyse genutzt, etwa zur Beantwortung der Frage nach den Kapazitäten zur Programmimplementierung oder im Hinblick auf die Legitimität einer Organisation bei der Bevölkerung.

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Integration

Integration ist abgeleitet vom lateinischen ›integratio‹ und bedeutet die ›Wiederherstellung eines Ganzen‹ Die Integration in ein soziales Gebilde (Gemeinschaft, Gesellschaft, soziale Gruppe, Staat) hat nach einer soziologischen Definition die Anerkennung eines Minimalkonsenses bezüglich der gemeinsamen Grundwerte und der Verhaltens- und Orientierungsmuster zur Voraussetzung.
Mit der Diskussion um Deutschland als Einwanderungsland hat das Thema einen neuen gesellschaftlichen Stellenwert bekommen. Dabei stehen sich die Forderungen nach Assimilation und die nach Integration gegenüber. Assimilation bedeutet die Anerkennung der gesellschaftlich-politischen Grundordnung des Einwanderungslandes bei gleichzeitiger Aufgabe der eigenen spezifischen Herkunftstradition (Leitkultur). Integration bedeutet das Ja zur eigenen Kultur bei gleichzeitigem Ja zur gesellschaftlich-politischen Grundordnung des Einwanderungslandes (Grundwertekonsens).
Grundlage von Integration ist nach einer Definition des DGB-Bildungswerkes eine gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft. Sie ist ein Prozess, bei dem beide Seiten gefordert sind: "Aus Sicht der MigrantInnen umfasst Integration zunächst einmal die Bereitschaft, ihren Teil zur Entwicklung des Landes und der Gesellschaft beizutragen und im Gegenzug die Rechte nutzen zu können, die Staat und Gesellschaft bieten. Das schließt die Anerkennung der im Grundgesetz festgelegten Grund- und Menschenrechte ein. Diese Kombination von Pflichten und Rechten schafft eine Verbundenheit zur Gesellschaft. Aus Sicht der deutschen Gesellschaft bedeutet Integration Sicherung eines friedlichen Zusammenlebens durch eine immer wieder neu herzustellende Kultur der Akzeptanz, die es den MigrantInnen ermöglicht, unter Beibehaltung ihrer ethnischen, kulturellen und religiösen Identität ihren Lebensmittelpunkt in dieser Gesellschaft zu finden und zu sichern. (...).
Türkische Jugendliche, die in Deutschland geboren wurden, haben andere Probleme als AussiedlerInnen aus Osteuropa, die automatisch deutsche StaatsbürgerInnen werden. Und die wiederum andere als die angeworbenen ArbeitnehmerInnen, die heute in Deutschland als RentnerInnen leben. Das heißt: Es muss immer auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Menschen reagiert werden." (DGB Bildungswerk 2001; Internetquelle)
Die deutsche Bundesregierung verlangt von Migranten nur das Bekenntnis zu einem Grundwertekonsens, der jedem in Deutschlandlebenden Bürger zuzumuten sei und sich aus dem Sinn der Staatlichkeit als einer territorialen Ordnung ergebe. Er besteht aus dem Wertedreieck: Grundgesetz achten; deutsche Gesetze respektieren; deutsche Sprache beherrschen. Leitkultur

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Interkultur

"Es handelt sich hierbei weniger um einen Raum- als um einen Prozessbegriff: Interkulturen entstehen dann, wenn Beteiligte aus konzeptuell unterschiedlichen Lebenswelten A und B miteinander agieren bzw. kommunizieren. Interkulturen existieren dementsprechend auch nur in Abhängigkeit ihrer Beteiligten. Sie ›ereignen‹ sich: sie werden permanent neu erzeugt, und zwar im Sinne eines ›Dritten‹, einer Zwischen-Welt C, die weder der Lebenswelt A noch der Lebenswelt B vollkommen entspricht. Weil es sich um ein Handlungsfeld, um einen Prozess handelt, ist eine Interkultur also gerade nicht statisch als Synthese von A und B im Sinne eines 50:50 oder anderswie gewichteten Verhältnisses zu denken. Vielmehr kann in dieser Begegnung im Sinne eines klassischen Lerneffekts eine vollständig neue Qualität, eine Synergie, entstehen, die für sich weder A noch B erzielt hätten" (Interkulturelle Kompetenz Online 2004: Internetquelle).

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Interkulturalisten

Die professionellen Managementexperten für interkulturelle Kommunikation werden von Dahlen (1997) in einer bekannten Studie "Interkulturalisten" (Interculturalists) genannt. Ihr Markt wächst in den letzten Jahren. Die Vermittlung kulturellen Wissens, früher eine Aufgabe des Staates oder kultureller Gemeinschaften, wird zunehmend zum Geschäft einer Gruppe intellektueller Multiplikatoren. Wie in anderen Branchen auch, wird die Produktpalette immer weiter diversifiziert. Dabei geht der Trend weg von allgemeinen kulturunspezifischen Sensibilisierungstrainings hin zu länder- oder regionsspezifischen Trainings (Breidenbach/Nyíri 2004: 25; für einen Überblick über den deutschen Markt, der diese Tendenz mit einer Schwerpunktsetzung auf Asien und die Transformationsländer des Ostens bestätigt, vgl. Keßler 2004).
Durch ihren kulturalistischen Ansatz stehen viele der Interkulturalisten der teils repressiven und autoritären Politik asiatischer Tigerstaaten völlig unkritisch gegenüber. So fordern zwei der bekanntesten Interkulturellen Managementexperten Hampden-Turner und Trompenaars 1997 den Westen pauschal auf, von Asien zu lernen. Als Autoritäten für asiatische Werte führen sie dabei asiatische Politiker wie Lee Kuan Yew aus Singapur oder Mahatir Mohamad aus Malaysia ins Feld, die aus heutiger Sicht für eine extrem repressive Politik im Innern stehen (vgl. Breidenbach/Nyíri 2004: 26 f.).

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Interkulturalität

Interkulturalität bezieht sich auf das, was passiert, wenn Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund unter bestimmten strukturellen Rahmenbedingungen einander begegnen und miteinander umgehen. Die Interferenz verschiedener kultureller Systeme eröffnet also neue Räume, die in einschlägiger Literatur als ›Interkultur‹, ›Kontaktkultur‹ oder ›culture de contact‹ oder ›third culture‹; bezeichnet werden. Trotz der Begriffspluralität bezeichnen die Autoren hiermit lediglich das dynamische Interaktionsverhältnis zwischen Kulturen, das neue interkulturelle Räume generiert: "Die dadurch entstehende partielle Gemeinschaft ist weder als bloße Addition der kulturellen Identitäten zu verstehen noch als Selektion von Teilen aus ihnen, sondern stellt sich als eine neue Welt für sich dar, die zerfällt, sobald das gemeinsame Handeln endet" (Wille 2003; Internetquelle).
Antweiler (2002) setzt Interkulturellen Umgang von interkultureller Kommunikation ab, weil es bei interkulturellem Umgang auch um Prozesse geht, in denen nicht Kommunikation im Mittelpunkt steht (z. B. Migration, Vertreibung, Segregation, Tourismus). Ferner erlaubt die Rede vom Umgang statt von Kommunikation auch das Einbeziehen von Situationen, in denen einerseits kaum kommuniziert wird, und andererseits solche, in denen mehr als nur Kommunikation eine Rolle spielt, z. B. der institutionalisierte Umgang mit Fremden als ›Ausländern‹. Antweiler differenziert:
"Hier spielt weit mehr herein, als nur unterschiedliche Kommunikationscodes. (...) Ich vermeide auch die Termini ›interkulturelle Verständigung‹ (Dettmar 1989), ›internationaler Austausch‹ und ›interkulturelle Begegnung‹, weil diese Wörter Gleichheit der Partner suggerieren. Tatsächlich sind die Beziehungen im interkulturellen Umgang aber in aller Regel asymmetrisch; Macht spielt in welcher Form auch immer herein. (...)
Die zentrale Frage ist nun, unter welchen strukturellen Rahmenbedingungen sich interkultureller Umgang abspielt. Ebenso wenig, wie man Vorurteile einfach durch Aufzeigen der Fakten beheben kann, führen interkulturelle Begegnungen per se zum Abbau von Fremdbildern. Das zeigen viele Erfahrungen und hier liegt wohl das Hauptproblem der Diskussion um interkulturelle Erziehung, was ihre praktische Umsetzung betrifft. Dettmar (1989: 260 ff.) zeigte z. B. folgende mögliche Auswirkungen der Begegnung von Deutschen und Afrikanern in Hamburg: (i) Spannungen und Beziehungsabbruch durch Kategorisierungen; (ii) Aufrechterhaltung vorheriger Vorstellungen trotz persönlicher Beziehungen, und in Einzelfällen (iii) eine Relativierung früherer Vorstellungen über den Begegnungspartner. Entscheidend ist der Rahmen von Dominanz und Unterordnung, der die Situation der beteiligten Gruppen strukturell bestimmt und damit die Umgangssituation insgesamt formt. Salopp gesagt: Wer hat das ›Heimrecht‹, wer ist geduldeter Gast?" (Antweiler 2002).
Welsch kritisiert am Begriff der Interkulturalität, dass er noch immer von einer insel- bzw. kugelartigen Verfassung der Kulturen ausgehe. Das klassische Kulturkonzept schaffe durch den separatistischen Charakter der Kulturen das Problem der strukturellen Kommunikationsunfähigkeit und schwierigen Koexistenz dieser Kulturen. Das Konzept sei nicht radikal genug, sondern bloß kosmetisch. Er schlägt deshalb den Begriff der Transkulturalität vor (Welsch 2002; Internetquelle). Macht

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interkulturell

Wörtlich "zwischen den Kulturen"; Phänomene des Umgangs, der Interaktion, meistens Prozesse der Kommunikation, die sich zwischen Angehörigen mindestens zweier verschiedener Kulturen abspielen; ein oft positiv besetztes und auf Verständigung oder Verstehen zielendes Wort, das aber die Vorstellung von mindestens zwei zunächst völlig getrennten Kulturen beinhaltet. Manche Autoren schlagen deshalb das Wort Transkulturalität vor. Interkulturalität, interkultureller Umgang

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Intoleranz

"Intoleranz (Unduldsamkeit) bedeutet, dass Akzeptanz abschließend versagt wird, obwohl

a) außer einer irrationalen Gefühlsregung nichts für eine solche Bewertung spricht;
b) das eigene Wissen für eine abschließende Bewertung nicht ausreicht;
c) die zuvor angestrengte gedankliche Auseinandersetzung der abschließenden Beurteilung nicht gerecht wird, oder
d) keine Not bestand, eine solche abschließende Bewertung zu treffen, da Beeinträchtigungen für einen selbst und andere, die von dem entsprechenden Sachverhalt ausgehen, offensichtlich vernachlässigbar sind.

Gründe, Ursachen und Motive der Intoleranz: Nach Meinung einiger Psychologen sind Neid und versteckte Minderwertigkeitsgefühle Gründe für Intoleranz. Dem Begriffspaar Toleranz/Intoleranz wohnt eine vielleicht überraschende Dialektik inne: Eine tolerante Gesellschaft, die Intoleranz toleriert, läuft Gefahr, entgegen der eigenen Absicht Intoleranz zu stärken. Intoleranz gegenüber antitoleranten Ideologien und Bewegungen steht also durchaus im Dienste der Toleranz" (Wikipedia 2004: Intoleranz; Internetquelle).

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Invented Tradition

Nation

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Begriffe: I

Identität
Identität, hybride
Identität, kollektive
Identität, kulturelle
Identitätspolitik
Identity Switching
Indigene Völker
Indigene Völker oder Indigene Menschen?
Indigenes Wissen
Informed Consent
Informeller Sektor
Institution (kulturelle)
Institutionenanalyse (Institutional Analysis)
Integration
Interkultur
Interkulturalisten
Interkulturalität
interkulturell
Intoleranz
Invented Tradition
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